Wohlfühl-Schal

Was für ein Wetter! Endloser Nieselregen, kalter Wind, grauer Himmel... Zeit für Kerzen, eine Tasse heißen Tee, und am besten wohlig warm eingekuschelt. Wie gut, dass ich mir letzter Woche schon etwas Neues einfallen liess, um elegant durch diese Jahreszeit hindurch zu schreiten.




























Der Schal ist - wieder Mal - ein Beispiel dafür, dass Kreativität ihren Eigensinn pflegt. Ursprünglich wollte ich einen breiten Schal mit Farbverlauf Rot-Magenta stricken. Die Idee war noch vage, und so richtig gefiel sie mir nicht, dennoch standen zwei Tatsachen fest: quer stricken, d.h. mit der Längsseite anfangen, so dass der Farbverlauf nicht horizontal, sondern vertikal würde, und Volants an den Seiten. 

Als Material hatte ich einen Knäuel Mohair Wolle zur Verfügung: 77% superkid Mohair, 23% Seide. Tolle Sache nicht wahr? Ein so Knäuel wiegt 25g, und hat einen Fadenlauf von 175 m. Der hat dann am Ende gereicht für diesen wunderschönen Schal mit Volants und Rüschen!

Für Mohair nimmt man, für einen Pulli, kleineren Stricknadel, also 3,5 bis 4,5, je nach Maschenprobe. Für einen Schal oder Poncho ist ein 6er Nadel durchaus möglich. Da werden die Maschen natürlich größer, das ganze luftiger, und es strickt sich (sehr viel) schneller. 

Volants entstehen, wenn man mit dem 3fachen an Maschen beginnt, und nach etwa 3,5 bis 4,5 cm die überschüssigen Maschen gleichmäßig verteilt auf einmal abnimmt. Und weil ich ja quer stricken wollte, hatte ich 587 Maschen (!!!) auf einem Rundstricknadel. Da war viel Konzentration, viel Pausen gefragt.  Und weil sonst auf einem Rundstricknadel 80cm Länge vorgesehen sind, und entsprechend Maschen, war mein Schalanfang 6fach länger als der Nadel selbst: 150cm Länge hatte ich geplant, 3fache Maschen wegen dem Volant. 

Und wie ich so strickte, und sich alles zusammengedrängt um den Nadel und Draht so windete und bog, sah ich plötzlich das, was ich eigentlich haben wollte: einen Schal ausschließlich aus Volants und Rüschen. Farbverlauf nur dann, wenn die Wolle nicht mehr reichte (jenes Rot gab es nicht mehr im Geschäft), und ich einfach in eine andere Farbe weiter stricken sollte.

Ich war völlig aufgeregt angesichts der neuen Entwicklung meines Projektes! Da wird man reichlich belohnt, wenn man offen bleibt trotz einer Vorstellung. Wie die Bayern zu sagen pflegen: Schauen wir Mal, dann sehen wir schon.

Jedenfalls, etwas musste den Stricknadel ersetzen, der verantwortlich dafür war für die Raffung: wodurch ja Volants und Rüschen überhaupt erst entstehen. Zum Glück hatte ich in meiner Woll-Reste-Sammlung noch eine rote Wolle übrig, dick genug (5er Nadel). Die würde ich dann durch die Mitte des fertigen Schals durchfädeln und die Maschen zusammenziehen. 




Anleitung "Mohair-Schal"
Du brauchst:
1 Knäuel Mohair-Wolle, 25g, ca. 175m.
6er Rundstricknadel.

Grundmuster: 6 rechte Maschen, 3 linke Maschen.

587 Maschen anschlagen. Das Ende mit einem größeren Klammer sichern (so dass die Maschen nicht vom Nadel rutschen).

Mit einer Rückreihe beginnen: d.h. Randmasche, 65x *3 rechte Maschen, 6 linke Maschen*. Randmaschen.
Nach 5 Reihen jeweils 3 Maschen zu einer zusammenstricken: das ergibt ein neues Grundmuster von 2re1li (2 rechte Maschen, 1 linke Masche).

Nach der Abnahme-Reihe eine weitere Reihe stricken.
In der nächste Reihe die Maschen wieder zunehmen, indem aus einer Masche jeweils 2 zusätzliche herausgestrickt werden: aus einer linken Maschen werden dann 3 linke, aus einer rechten Masche 3 rechte, so dass man wieder das Muster von 6re3li hat.

Nach dieser Zunahme-Reihe noch weitere 3 Reihen stricken, dann alle Maschen abketten. Ich hatte für das Abketten den 5er Nadel genommen, weil sonst die Wolle ganz knapp nicht gereicht hätte.

Nun liegt der Schal da, etwas sehr viel länger als 150cm, weil das Zwischenstück (2re1li) zu kurz ist. Aber das macht überhaupt nichts. Denn jetzt nehmen wir einen roten Wollfaden von ca. 120cm (oder nach eigenem Belieben), fädeln ihn durch die Mitte des Schals hindurch und knoten ihn an den Enden fest. Jetzt kann man nach Belieben Rüschen bilden, indem man entweder alles gleichmäßig verteilt, oder, wie ich, in dem Bereich um den Hals herum besonders dicht, und an den Enden etwas lockerer, ungleichmäßig verteilt.


Viel Spaß!



Kommentare