Was ist ein Künstlertreff?

Oder: Meet the creator in you

Viele sehnen sich nach mehr Kreativität in ihrem Leben. "Es muss doch noch etwas Anderes geben... (als die Routine)" Geld (Mangel) ist Argument Nr. 1, dicht gefolgt von "Zeit" (Mangel), um doch noch an seinen wahren Wünschen vorbeizugehen. 

Um kreativ zu sein und zu bleiben, muss man tatsächlich ab und an aus der Routine brechen, selbst wenn man schon kreativ tätig ist. D.h., radikal und mit Vergnügen alles stehen und die Seele baumeln lassen. Irgendwie haben wir das verlernt seit Anbeginn des Industrie-Zeitalters. Begriffe, die sonst für Maschinen und Automaten verwendet werden, finden nun auch in Bezug zum Menschsein wieder. Wir sind zu sehr gewohnt, zu "funktionieren", an "reibungslosen Ablauf"... was ist mit Unberechenbarkeit? Mit Lust und Laune? Mit Wundern?

Wie oft unterdrücken wir diese inneren Impulse, die uns letztlich zu mehr Freude führen (würden), und vergraben uns in Arbeit und das, was wir "kennen". Und wundern uns irgendwann, warum immer alles gleich ist. 

"Künstlertreff" (aus "Der Weg des Künstlers" von Julia Cameron) ist eine Übung, wie wir das Kreative, den Schöpfer in uns, wieder aktiviert, etwa wie einen vernachlässigten Muskel. Sie wird auch als "Brunnen auffüllen" bezeichnet, d.h. wir tanken dabei Energie auf. Diese Übung zeigt vor allem, dass weder Geld noch Zeit gegen das Kreativ-Sein spricht. 

Es ist eine Verabredung mit dir selbst. Zeit und Ort bestimmst du selbst. Gehe tief in dich hinein und frage, spüre hin, worauf du wirklich Lust hast. Fange im Kleinen an. Fange im Hier und Jetzt an. Sei sehr praktisch, was lässt sich leicht und sofort realisieren. Das Kreative in einem mag nicht, hinweg getröstet zu werden, es ist schon zu oft hintergangen worden (kein Geld, keine Zeit). Und mache es allein, nur du, mit dir selbst, für dich.

Ein ausgedehntes Bad mit Kerzen und Duftessenzen ist ein Künstlertreff, ein Spaziergang, ganz allein, oder einfach 15 Minuten lang die Augen schließen und nichts tun, nicht einmal die Stille lauschen. Was wolltest du schon immer Mal ausprobieren? 

Ich bin letzter Woche mit ein paar Euros in der Hosentasche losgezogen. Ich wollte unbedingt zu einem indischen Lebensmittelladen gehen. Natürlich sagte der Verstand, Neiiiiiin, da gibt es doch nichts (was ich nicht schon zu Hause habe)... ich blieb standhaft und folgte meinem Impuls. Das lernt man auch im Laufe der Zeit: folge deinem Impuls, gehe deiner Neugierde nach. Der Verstand wird den Verstand verlieren, und das ist gut so. 



Es war ein schöner Spaziergang in der Sonne. Natürlich kannte ich schon das Meiste aus der indischen Küche, und trotzdem, allein, dass ich alles stehen ließ und einfach loszog, aus einer Laune heraus, das war schon super befreiend. Ich "muss" nichts auf dieser Welt. Na ja, und dann, es ergab sich so... unterhielt ich mich mit dem Ladenbesitzer, und er kochte eigenhändig einen indischen Chai für uns. Es war fast ein bisschen so, wie wenn ich verreist wäre, auf die andere Seite der Weltkugel... tatsächlich gab es auf dem Heimweg einen Schritt, da war ich noch 5 Minuten von Zuhause weg, da fühlte ich, wie ich von einer Welt in die andere, in meine Heimat, zurückkehrte. 

Ein paar Souvenirs hatte ich mitgenommen. Die Tees waren überwältigend: aromatisch, dufte, cremig... und die Farben von Indien...  inspirierten mich zu einer Tischkarte, die ich mir schon immer machen wollte: "geniessen".


Ich hätte auch schreiben können: 20x kauen bei jedem Biss. Doch darum geht es nicht, nicht um eine Zahl, die man aus medizinischen Gründen erfüllen muss. Der Künstlertreff oder das Brunnen Auffüllen trainiert einen sicherlich auch darin, etwas mehr inne zu halten, aufmerksamer zu werden, und dadurch achtsamer (wie in Zen-Buddhismus), empfindsamer. Man wird zu einer Schale, empfänglich, für Außen und Innen. Und irgendwann überträgt man diese Aufmerksamkeit in allen, was man tut, nicht nur während der "Auszeit". Und eben auch beim Essen. 


Welche Farben hat das Essen? Welche Konsistenz? Was für Gewürze sind darin? Und was ist das, was auf meiner Zunge so prickelt? Was für Kräuter sind darin, wie schmeckt das Essen mit ihnen und ohne? Mag ich alles vermischen oder lieber jedes für sich schmecken? Ich möchte nicht mehr "schnell, schnell" etwas hinunter schlingen, sondern da sein, in diesem Augenblick, und das Leben mit all seinen Farben, Duft und Geschmack leben. 

"Geniessen" bedeutet für mich auch Dankbarkeit. Dankbar für die Fülle und Kreativität, in dem, was ich empfange, und in der/m Empfänger/In.




Kommentare