Sinn & Sinnlichkeit

In der Welt der Sinne gibt es viel zu entdecken. Samt & Seide, Feder, Spitzen, Perlen... Hauchzartes trifft auf Weiches, Anschmiegsam trifft auf Kitzelndes, Wuscheliges zum hinein Kuscheln, Glitzerndes, um zu strahlen.


Warum ich auf die Idee dieses Beitrags gekommen bin... der Anstoß war ein Brief eines jungen Mannes, zitiert in Hannelore Traugotts Buch "Lilith - Eros des Schwarzen Mondes"(S. 48-52). Darin verdeutlichte er, sinngemäß, den sinnlichen Reichtum der Frauen, dadurch, dass sie sich - schon im frühen Kindesalter - schön machen, schmücken. Den Jungen wird dieser Art Zugang zum eigenen Körper, zu den sinnlichen Entdeckungen und Genüssen verwehrt. Was daraus resultiert, sei eine Entfremdung vom Körper, von Sinnlichkeit, aber auch Mann von Frau. Die Frau bleibe dem Mann faszinierend, aber auch fremd, ein Mysterium, dadurch auch Angst einflößend. 

Ich muss an dieser Stelle auch etwas schmunzeln. Wie oft wünschen sich Frauen von ihren Männern Reizwäsche, oder dass sie, die Männer, sie beim Kleiderkauf begleiten, beraten. Und wie überfordert die ersteren in den Sofas der Läden vor Erschöpfung & Langweile einschlafen.



Als ich selbst auf die Entdeckungsreise ging, hatte ich Freude an der Fülle der Materialien, die uns heute zur Verfügung stehen. Ich achte darauf, dass ich verschiedene Materialien in meinem Kleider-Repertoire wieder finde: Baumwolle, Seide, Samt, Tüll, Spitze, Wolle, ...  Wie gesagt, aus Freude an der Fülle. Auch die Sinnen werden dabei angesprochen und belebt. 

Ganz klar bestimmen heute der Alltagsrhythmus, die Bedürfnisse in der Arbeit sowie in der Freizeit den Kleidungsstil. Viele wunderschöne, kostbare Materialien sind nun Mal weniger strapazierfähig. Auch ich bin so gut wie nie behängt mit Schmuck wie der Weihnachtsbaum. Und doch versuche ich, etwas Besonderes, Sinnliches in meinen Alltag mit einzuweben, sei es auch nur, dass es "irgendwo sichtbar rum liegt", um vor lauter "praktisch, quadratisch, gut" das Leichte, das Sinnliche, die Freude nicht zu vergessen.

Brosche, designed & made by Qing

























Und dennoch, der Brief des jungen Mannes hat mich schon sehr bewegt, inspiriert. Oft habe ich selber daran gedacht, wie schön es ist, eine Frau zu sein, all das Wunderschöne tragen zu können, zu dürfen. Gleichzeitig wünschte ich mir, für meinen Partner etwas zu entwerfen, z.B. schöne Farben, oder Material-Mix, um aus der "Grauzone" herauszukommen, um sich, die eigene Energie und Freude auf dieser Ebene auszudrücken. 

Die Stimme des jungen Mannes hat mir die Augen geöffnet, wo ich noch konform mit manchen gesellschaftlichen Ungleichheit-Denken mitgehe: z.B. dass es nichts dabei ist, oder eher eine Bereicherung für Jungen/Männer, wenn sie die Materialien befühlen können, um die Freude und den Körper zu verstehen, um die Sinnlichkeit zu entdecken. Das schließt z.B. auch mit ein, dass Jungen lange Haare tragen (dürfen), um dieses Sinnliche zu fühlen, und zur Schau zu tragen. Oder sich eincremen, als Ausdruck, liebevoll und sanft mit sich selbst umzugehen.

Dadurch wird die Frau für den Mann auch greifbarer. Mit weniger Angst (aus Unwissen) wird der Mann der Frau entspannt näher sein können. 










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